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Ein Rückblick auf die Hauptsaison 2008

Durch die (nun hinter mir liegende) Hauptsaison und den Schulstress habe ich erst jetzt Zeit, um Berichte zu schreiben, denn dass das Training beim LSP sehr zeitaufwendig ist, kann man nicht bestreiten. Aber dafür lernt man auch: Hausaufgaben kann man auch in der Bahn machen, manchmal muss man auch Unterrichtsmitschriften von anderen in der Bahn abschreiben, und das einigermaßen leserlich. Denn sonst kommt man gar nicht mehr dazu, wenn man zusätzlich zu vielen Freitagen (Regattaanreise) auch ganze Wochen wegen Trainingslagern fehlt.

Einstieg zur Regatta-Saison war der Junior B-Test, mit anschließender Berliner Frühregatta (18.-20.4.). Wie auch in den letzten Jahren kam mein persönlicher Fanklub, meine Großeltern. So bekam ich auch etwas anderes zwischen die Zähne als Nudeln. Mit dieser Unterstützung konnte ich gar nicht verlieren. Nach gewonnenen Vor- und Zwischenläufen, erreichte ich beim B-Test im A-Finale als Erste die Ziellinie. Trotz typisch Berliner Wellen, die den Anderen auch zu schaffen machten.

Bei der Frühregatta starteten wir zweimal im Vierer. Dafür, dass es unsere erste gemeinsame Regatta war, lief er gut. Zu unsrem Zweier, den wir (glücklicherweise) nur einmal fuhren, kann man nur sagen: Wir kamen noch vor Pirna an, aber ich war froh das die anderen Laubegaster schon weg waren, es wäre sonst peinlich geworden.

Die nächste Regatta war in München (2.-4.5.). Durch eine Jugendweihe war unser Vierer nicht vollständig. Deswegen standen für mich nur Einer und Zweier auf dem Programm.

Das Wetter war extrem sonnig und lud nur zum Schlachtenbummeln ein. Leider konnten nur die Wenigen mit nur einem Rennen am Tag ein bisschen entspannen. Spätestens Sonntag fluchten die Dresdner über ihre neuen (schwarzen) Coolmaxe. Leider hatten wir keine andere einheitliche Wettkampfkleidung mit.

Mein erstes Einerrennen gewann ich und wurde mit einem äußerst nützlichen XXL-T-Shirt (das mir bis zu den Knien geht) belohnt. Im Zweier (mit Christina Haß vom DRC) fuhren wir ein schönes sauberes Rennen, so dass wir am nächsten Tag in die schnellere Abteilung gesetzt wurden. Eigentlich sollten wir an diesem Tag früh schlafen, doch es war zu spannend, die Betreuer zu belauschen. Sie waren im Zimmer neben uns untergebracht und man konnte durch die Wand jedes Wort verstehen. Am nächsten Tag wurde ich durch einen versauten Start- und einem verkorksten Endspurtschlag nur Zweite. Ausgerechnet gegen die Zweite vom B-Test!

Im Zweier konnten wir in der schnelleren Abteilung nicht mithalten.

Auch in Brün (16.-18.5.) konnten wir keinen Vierer fahren, da wieder eine Jugendweihe anstand. Also, wieder Einer und Zweier.

Hinsichtlich der Unterkunft hatten wir Sachsen uns (im Vergleich zum Vorjahr) hochgedient: Wir hatten dieses Jahr sogar Bungalows mit Duschen! Es kam zwar extrem wenig Wasser und am Sonntag war es schon abgestellt, aber immerhin. Bei (noch) schönem Wetter konnte ich mein Einer-Rennen gewinnen (Preis: massenhaft tschechische Fanartikel von der Fußball-WM) und durch das versehentliche Versenken meiner Startnummer durfte ich sogar baden gehen. Im Zweier erkämpften wir uns knapp den Einzug in den schnelleren Lauf.

Am nächsten Tag wurde ich im Einer „nur“ Zweite. Im Zweier wurden wir Vierte.

Verständigt haben wir uns mit den Tschechen, Ungarn und anderen Nationen auf Englisch. Ich glaube, ich habe in Brün mehr Englisch geredet, als im gesamten Englischunterricht.

Bemerkenswert war außerdem, dass wir täglich kurz vor Rückkehr zu den Bungalows von einem heftigem Regenguss überrascht wurden.

Über die Dresdner Regatta (24.5.) liegt sicherlich schon ein Bericht vor. Für unseren Chaoten-Vierer war sie wichtig, da sie entscheiden sollte, ob wir in Hamburg mitstarten dürfen. Und wenn am Start ein Knüppel verloren wird, ist es schon eine Leistung, eine Vierer-Länge aufzuholen und zu gewinnen. Und jetzt bitte keine Fehlerdiskussionen!!!

Durch unsere ersten Plätze bei der Dresdner Regatta durften wir auch den Vierer in Hamburg (30.5.-1.6.) fahren. Wir schliefen in Zelten, doch niemand hielt sich dort freiwillig auf. Es herrschte ein Saunaklima im Inneren. Insgesamt ist Hamburg meine Lieblings-Regatta-Strecke: mit Inselchen, Nebenseen und ein paar Brücken, die aber nicht stören. Im Einer kam ich im ersten Lauf als Zweite, nach einem „Schrank“, ins Ziel. Umso größer war die Freude, als ich diesen „Schrank“ beim zweiten Rennen doch schlug.

Im Vierer hatten wir unseren ersten großen Erfolg. Am Start noch wegen Macons und Holzboot belächelt, wurden wir in unserem Lauf Erster! Unsre Steuerfrau (Maria Vogel) war nur noch am heulen. Da sie noch ein Rennen hatte, konnten wir sie nicht fliegen lassen.  Im Zweiten Rennen konnten wir zwar nicht mithalten, aber wir haben trotzdem gezeigt: Wir können es. Und so wurde auch unser Vierer zu den Deutschen Meisterschaften nach Köln gemeldet. Da ich auch Einer fahren sollte, hieß es Doppelstart.

Aber vorher ging es ins Trainingslager nach Lobenstein  (4.-11.6.):

Der erste Tag war noch locker. Erst mal Großeinkauf: Lidl hat sich beschwert das ohne Vorankündigung der gesamte Kartoffelbreipulver-Vorrat aufgekauft wurde. Danach maßen wir (Christina Haß (DRC), Anne Dietrich (Eilenburg), Sophia Naumann (Leipzig) und ich) noch unseren Vierer ein. Das dauerte den ganzen Nachmittag, da wir Dresdner Ausleger an ein Leipziger Boot bauen mussten. Die Richtigen waren bei den Deutschen Meisterschaft letztes Jahr leider verloren gegangen. Da wir danach noch Zelte aufbauen mussten, kam ich erst in Köln dazu meinen Einer einzumessen.

Anfangs standen Ausdauereinheiten (18km) auf dem Programm. Danach Strecken. Ich trainierte in der Regel Vierer.

Wenige Tage vor der Abfahrt nach Köln passierte das Malheur. Während ich Einer trainierte und Anne einen anderen Vierer steuerte stürzte unser Vierer samt Böcken um. Glück im Unglück: Es war „nur“ die Flosse verbogen. Ab jetzt mussten wir in einem alten, ungesteuerten Vierer trainieren. Die Flosse konnte erst in Köln ausgetauscht werden. Fast hätten wir eine Karbonflosse bekommen, die passte jedoch leider nicht. Deshalb bekamen  wir eine Achterflosse.

Das wahrscheinlich Lustigste im Trainingslager war am letzten Tag die „Bootsbeherrschungs-Einheit“. Das heißt: im Boot Plätze tauschen und Knüppel tauschen. Da unsere Steuerfrau in Köln zwischen zwei Rennen nur sehr wenig Zeit haben würde, übten wir auch das Umsteigen zwischen zwei Booten.

Die Abreise zu den Deutschen Meisterschaften (12.-15.6.) in Köln erfolgte gestaffelt an drei Tagen. Unser Vierer war zuerst. Dadurch konnten wir uns lange an die Kölner Strecke gewöhnen und das Sächsische Lager aufbauen. Da wir so früh da waren, bekamen wir  den besten Platz: zwar in Brennnesseln und bei den Mülltonnen, aber nah an den Stegen.

Die Strecke war sehr gewöhnungsbedürftig, wenn auch total cool. Die Anlage besteht aus mehreren kleinen Seen: einer zum Einfahren (mit einem Ab- und einem Anlegesteg, woran sich aber niemand hielt) mit einem Durchgang zur Strecke (der größte und zu einem Rechteck ausgebaute See) 500m vor dem Ziel. Zurück zu den Stegen geht es hinter dem Ziel im großen Bogen. Die Verbindung führt von hinten wieder zum Einfahrsee.

Langsam wurde es ernst. Am Morgen des Vorlauf-Tages konnte endlich die Flosse in den Vierer eingebaut werden. Am Donnerstag fanden die Vorläufe statt. Wie bei den folgenden Rennen startete ich erst im Einer und wenige Stunden später im Vierer. Die beiden Bestplatzierten jedes Vorlaufs kamen direkt  in den Zwischenlauf, die anderen in den Hoffnungslauf.

Natürlich schüttete es den ganzen Vormittag. Alle, die gerade kein Rennen hatten, drängten sich unter den Pavillons oder versuchten Socken unter dem Fön vor den Umkleiden zu trocknen. Obwohl ich meine Regenjacke auf dem Weg zum Start trug, wurde mir schnell eiskalt. Trotzdem war ich nach 500m vorne und konnte das Rennen gewinnen. Ausgerudert wurde gleich im Vierer. Nachmittags war es dann so weit und pünktlich hörte es auch auf zu regnen. Moralisch unterstützt von unseren Jungs und Sophias Eltern, die sich aus ihrem beheizten Zelt trauten, wurden wir in einem knappen Rennen (ein Hundertstel zum Dritten) Zweiter. Es war die knappste Entscheidung überhaupt bei den diesjährigen Deutschen Meisterschaften.

Wegen diesen Erfolgen hatten wir den nächsten Tag, bis auf lockeres Training, frei zum chillen, Sachen trocknen und natürlich feuerten wir die anderen Sachsen an (was leider bei zwei der drei Jungenvierer nicht half).

Samstag stieg die Spannung wieder. Die Halbfinalrennen standen an: die bessere Hälfte kommt ins A-Finale, die anderen haben keine Chance besser als 7. zu werden. Doch davor kam noch die Riesenüberraschung: Annes Eltern statteten uns einen unangekündigten Besuch ab.

Knappe 2,5 Stunden vor dem Viererstart fand mein Einerrennen statt. Fünf Minuten vor dem Start regnete es mal wieder und außerdem war es sehr wellig. Doch „Elberudern macht hart“. Mir kam es zwar vor als ob ich unmöglich rudern würde, aber meine Gegnerinnen hatten wohl noch größere Probleme. Jedenfalls habe ich gewonnen.

Kurze Zeit später, bei endlich wieder trockenem Wetter, fuhren wir im Vierer raus. Durch gute Zwischenspurts konnten wir uns immer wieder vor die Vierten schieben. Letztendlich wurden wir mit einem Zehntel Vorsprung Dritter. Also mussten wir uns am nächsten Tag den besten anderen Vierern im A-Finale stellen.

Am Sonntag wurden die Boote für die Finalrennen noch mal aufpoliert. Sonniges Wetter und viele Zuschauer sorgten für gute Stimmung. Da störte es auch weniger, dass sich der Kommentator schon seit den Vorläufen ständig wiederholte. Dann: Gegner checken - manche kannte ich schon. Das Finale hat aber sowieso eigene Gesetze. Einer fertig machen, Muttern überprüfen, noch mal putzen, erwärmen und dann raus aufs Wasser. Start, Streckenschlag, Zwischenspurte, Endspurt- und schließlich als Zweite im Ziel. Die Erste kannte ich nicht, weil sie in diesem Jahr schon (erfolgreich) bei den A-Junioren gestartet ist.

Nach einer kurzen Verschnaufpause das Ganze noch mal im Vierer. Es reichte zwar nicht um vorne mitzufahren, aber für uns war es ein Erfolg bei 18 Startern bis ins A-Finale gekommen zu sein.

Sofort im Anschluss bauten wir Boote ab und packten rasend schnell, denn erstens: es fing an zu Gewittern, und zweitens: alle wollten nach Hause. Viele hundert Kilometer lagen noch vor uns. Wir warteten noch Frances Rennen ab. Sie konnte ihrer Bronzemedaille im Riemenvierer noch einen dritten Platz im Achter hinzufügen.

Der Saisonhöhepunkt war zu Ende. Konsequenzen: für mich DC-Kader, Einladung zum Anti-Doping-Camp (da die Erste abgesagt hat), und Einladung zum Baltic-Cup. Frances, sowie 3 andere Sachsen, kam in den Nationalkader und durfte somit mit zur Junioren-WM.

Die späteren Regatten waren eigentlich nur noch Spaß. Z.B. die Landes-Jugendspiele in Rostock (20.-22.6.) im Zweier und Einer. Eine sehr locker angelegte Regatta. Da die Vorläufe nur 500m und die Finales 1000m bzw. Sonntag auch nur 500m lang waren, konnte man selbst 4 Rennen mit nur 1,5 Stunden dazwischen verkraften. 25 Minuten vor dem Start aufs Klo rennen, dann so langsam mal rausfahren, vor dem Start noch mit den „Gegnerinnen“ schwatzen. Selbst die Schiedsrichter und auch Zeitnehmer waren locker.

Aber das kann richtig fies werden, wenn es kein Albano-System gibt. Bei unserem Zweierrennen auf 1000m starteten wir ganz am Rand. Das Boot neben uns war anfangs schneller und fuhr vor uns. Doch im Endspurt holten wir auf, lagen beinahe gleichauf. Da sie aber zu sehr am Rand fuhren, kamen wir nicht vorbei und mussten außerhalb der Begrenzung fahren. Dieser Überholversuch wurde durch ein paar Pollern vereitelt. Wir mussten den Anderen den Vortritt lassen. Unsere anschließende Beschwerde wurde aber nur abgewimmelt. Wir konnten es verschmerzen: unsere Ergebnisse waren trotzdem gut: im Einer zweimal Erste, im Zweier zweimal Dritte.

Caroline Hackler

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Last update: 22/09/2008