Mit dem Ruderboot von Prag nach Dresden
Zusammen
mit dem Dresdner Ruderverein organisierten sich insgesamt 14 Leute,
darunter 12
Ruderer und 2 „Landdienste“, die uns mit unserem
Gepäck im Auto begleiteten und
starteten am 9.Mai 2008 ins lange Pfingstwochenende.
Nach einer
lustigen Zugfahrt, während der die abenteuerlichen Geschichten
der vergangenen Wanderruderfahrten zum Besten gegeben
wurden, kamen wir am Freitagabend mit Sack und Pack in Prag an. Ein
Teil
unserer Gruppe wartete bereits mit dem Bootshänger und
natürlich den Booten im
Prager Ruderverein auf uns. Wir starteten unserer Reise mit einer
kleinen
Sightseeingtour durch das lebendige Zentrum von Prag und genossen die
deftige
tschechische Hausmannskost mit Knödel und Gulasch. Noch ein
kleiner „Foto-Stop“
an der Karlsbrücke und dem nächtlich wunderschön
beleuchteten Hradschin und
dann schlugen wir unser erstes Schlaflager im Kraftraum des Prager
Rudervereins
auf.
Samstagmorgen
punkt um sieben Uhr wurden mit den ersten Sonnenstrahlen die Boote zu
Wasser
gelassen. Mit insgesamt 3 Booten, darunter 2 gesteuerte Gig-Vierer und
ein
ungesteuerter Gig-Zweier ruderten wir auf der Moldau flussabwärts.
Frühstück
gab es dann ganz gemütlich im Boot vor den Toren der ersten
Schleuse, da der
Schleusenwart anscheinend um diese Uhrzeit auch noch nicht mit Verkehr
rechnete
und uns eine ganze Weile warten lies. Vom Wasser aus bot uns Prag einen
herrlichen Anblick und bei blauen Himmel und strahlenden Sonnenschein machte das Rudern gleich doppelt soviel
Spaß!
Eine erste
Verschnaufpause gönnten wir uns auf einem großen
Campingplatz am Moldauufer, da
wurden die Boote aus dem Wasser genommen und wir stärkten uns mit
Sauerbraten
und Knödeln. Nach ca. 54 geruderten Kilometern und 7 Schleusen
erreichten wir
unser erstes Etappenziel am frühen Abend.
Unsere
letzten Kräfte raubte uns dann der endlos lange, ohne jegliche
Strömung und
sehr geradlinige Moldaukanal, an dessen Ende sich die schöne alte
Schleuse von Melnik
befindet. Endlich hatten wir das Ziel vor Augen, denn direkt hinter der
Schleuse befindet sich der Ruderverein
von Melnik, der für diese Nacht unsere Herberge war. Der
Ruderverein liegt sehr
idyllisch am Abhang direkt über dem Wasser und von der Terrasse
aus hatte man
einen herrlichen Ausblick auf den Zusammenfluss des neuen Moldaukanal
und der
alten Moldau in die Elbe.
Sehr
abenteuerlich war es jedoch die Boote an Land zu bringen. Denn dies war
nur
über eine steile, morsche Holztreppe möglich und einen
kleinen Bootssteg, der
beim Betreten zur Hälfte im Wasser versank. Den Abend ließen
wir mit einem
Spaziergang auf die Burg Melnik ausklingen. Von da aus hatte man eine
tolle
Sicht bis ins Gebirge. Rings herum um die Burg findet man kleine Gassen
mit
schönen restaurierten Fachwerkhäusern und gemütlichen
Wirtschaften. Leider war
die Wirtin beim Ansturm einer so großen Meute etwas
überfordert und mit
knurrenden Mägen warteten wir lange auf unser Essen.
Am
Sonntagmorgen sind wir dann doch nicht so früh aufgewacht als wir
es uns
eigentlich vorgenommen hatten, aber für ein kleines
Frühstück auf der
gemütlichen Terrasse mit Elbblick blieb noch Zeit. Heute hatten
wir mit ca. 72
Kilometern und 5 Schleusen die längste unserer Etappen vor uns. Ab
jetzt
ruderten wir wieder auf heimischen Gewässer.
Am
Nachmittag planten wir eine Pause an einem Baggersee mit
anschließender Bademöglichkeit.
Nur leider fanden wir zunächst den richtigen Elbarm nicht, der uns
zum
Baggersee führen sollte. Als wir dann doch noch den richtigen
Abzweig fanden
und tapfer über den großen See ruderten, war dann die
Enttäuschung groß, als
auch die einzige Imbissbude die es auf dem Campingplatz weit und breit
gab zum
Pfingstsonntag geschlossen hatte. Einige von uns ließen sich
davon nicht die
Laune verderben und genossen ein Bad im See. Wohl oder übel ging
es dann
hungrig weiter, aber ein Trostpflaster war die wunderschöne
Landschaft, die es
entlang der Elbe zu bestaunen gab.
Am Abend
schafften wir es gerade noch so vor dem Einbruch der Dunkelheit bis zu
unserem
Quartiert, dem Bootshaus von Usti nad Labem. Provisorisch richteten wir
uns
wieder mit unseren Schlafsäcken zwischen den Ruderergometern des
Vereins ein
und gingen dann gemeinsam in Usti auf die Suche nach einer schönen
Gaststätte.
Da hatten wir nur leider die Rechnung ohne den Wirt gemacht, denn um
22Uhr ist
hier überall schon „Küchenschluss“. Aber wir
hatten zum Glück einen Plan B und
in einer Gaststätte war die Wirtin so freundlich uns bei einem
tschechischen
Pizzaservice Pizza für uns zu bestellen. Also gab es dann im
Bootshaus als
Mitternachtssnack Pizza, Bier und Cola.
Am
nächsten Morgen ging es wieder früh los, denn heute mussten
wir unser
komplettes Gepäck mit in die Boote verladen, da unser Landdienst
schon einen
Tag früher abreisen musste. Das Wetter spielte auch heute wieder
super mit, bei
blauem Himmel und Sonnenschein starteten wir unsere letzte Etappe von
Usti nach
Dresden. Es waren noch ca. 68Kilometer zu rudern mit nur einer
Schleuse, der
bisher größten Schleuse in Usti nad Labem. Hier wurden wir
10 Meter hinunter
geschleust, das war schon ganz schön unheimlich! Ab hier mussten
wir uns die Elbe
auch wieder mit deutlich mehr großen Schiffen und Motorbooten
teilen. Aber
trotzdem war die Strecke sehr schön zu rudern.
Auch die
von Ruderern so gefürchtete Gierseilfähre bei Decin,
passierten wir
unbeschadet, anscheinend hatte der Fährmann der angeblich auf
Ruderer jagt
macht heute frei!
Am frühen
Nachmittag erreichten wir dann auch schon die Deutsche Grenze. Ein Teil
unserer
Gruppe wollte noch einmal tschechische Knödel mit Gulasch essen
und legten am
Grenzübergang Hrensko an, während der andere Vierer erst in
Bad Schandau Pause
machte. Von dort aus ging es dann auch weiter, um das letzte Stück
gemeinsam zu
bestreiten. Ganz gemütlich ließen wir uns dann durch Rathen
treiben, denn wir
lagen gut in der Zeit und konnten in aller Ruhe die Bastei und andere
Wahrzeichen der Sächsischen Schweiz vom Wasser aus bestaunen. Ab
Pirna hieß es
dann „ Endsport „ und wir ruderten im flotten Tempo bis zum
Bootssteg des
Laubegaster Rudervereins und verabschiedeten uns von den Ruderern des
Dresdner
Rudervereins mit denen wir eine sehr schöne Zeit hatten. Beim
gemeinsamen
putzen der Boote planten wir in Gedanken schon unsere nächste
Wanderfahrt, die
hoffentlich genauso schön wird.
Katja Kühn